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Geschichte

Ortsgeschichte

Geschichte

Entdecken Sie die Geschichte unseres Ortes – chronologisch aufbereitet mit Bildern und Ereignissen.

25 Einträge

1057

Erste urkundliche Erwähnung

Wann Weiterode gegründet wurde, weiß niemand. Sicher ist nur, wann der Ort zum ersten Mal aufgeschrieben wurde: am 27. August 1057. Der Anlass war ein Tauschgeschäft.

Weiterode gehörte damals dem Erzbistum Mainz – als einziger Besitz weit und breit in einer Gegend, die ansonsten vom Kloster Hersfeld beherrscht wurde. Umgekehrt besaß Hersfeld mit Schornsheim ein Dorf südlich von Mainz, Richtung Alzey, das ebenso abgelegen im fremden Gebiet lag. Beide Seiten hatten dasselbe Problem: Besitz, der sich kaum verwalten ließ.

Erzbischof Liutbold von Mainz und Abt Meginher von Hersfeld lösten es auf naheliegende Weise – sie tauschten die beiden Orte gegeneinander. Verhandelt wurde in Mainz, auf Anordnung König Heinrichs IV. und in Anwesenheit von 33 Zeugen. Weiterode wechselte damit zum Kloster Hersfeld.

Für die Menschen im Dorf dürfte sich wenig geändert haben. Für die Nachwelt ist dieser Verwaltungsakt das älteste schriftliche Lebenszeichen Weiterodes – und der Grund, warum der Ort 2007 sein 950-jähriges Bestehen feiern konnte.

1250

Die Dorfkirche entsteht

Im 13. Jahrhundert bekommt Weiterode seine Kirche. Sie entsteht auf einem Hügel über den Häusern – eine Lage, die im Mittelalter nicht allein der Aussicht wegen gewählt wurde, sondern auch der Verteidigung.

Vom ursprünglichen Bau ist der Chorturm erhalten. Alles, was heute sonst an der Kirche zu sehen ist, kam in den folgenden Jahrhunderten hinzu, wurde ersetzt oder überformt. Das Gebäude erzählt damit selbst ein Stück Ortsgeschichte: Wer genau hinsieht, erkennt Spuren aus mehreren Kunstepochen nebeneinander.

1376

Eine Burg am Burgrain

1376 erwähnen Dokumente eine Burg bei Weiterode. Über ihr Aussehen, ihre Größe und ihr Ende ist nichts überliefert.

Geblieben ist der Name. Straße und Gemarkung heißen bis heute Burgrain – ein sprachliches Fossil, das eine Anlage überdauert hat, von der oberirdisch nichts mehr zu sehen ist. Heute liegen dort die Freizeitanlage des Heimatvereins und der Burgkräutergarten.

Dass hier überhaupt eine Burg stand, passt zur Lage des Ortes: Weiterode war jahrhundertelang Kreuzungspunkt alter Handelsstraßen und diente als Zollstation. Wo Waren und Wege zusammenkommen, lohnt sich Kontrolle.

1502

Weiterode kommt zum Amt Rotenburg

Ab 1502 gehört Weiterode zum Amt Rotenburg. Der Ort bleibt nicht bloß Teil dieser Verwaltungseinheit, sondern wird später ihr Gerichtsstuhl – hier wurde Recht gesprochen, und zwar für mehrere Ortschaften der Umgebung.

Diese Aufwertung fällt in eine Zeit, in der es anderen Siedlungen der Gegend deutlich schlechter erging. Stockhausen, Erdhausen und Rudolferode fielen wüst – die Bewohner gaben sie auf, die Fluren wuchsen zu. Weiterode überstand diese Phase nicht nur, sondern gewann an Bedeutung.

1567

Weiterode wird hessen-kasselisch

1567 wird die Landgrafschaft Hessen unter den Söhnen Philipps des Großmütigen aufgeteilt. Weiterode fällt mit dem Amt Rotenburg an Hessen-Kassel.

Es ist der erste in einer bemerkenswert langen Reihe von Zugehörigkeitswechseln. Zwischen dem 16. und dem 20. Jahrhundert gehörte Weiterode nacheinander zu Hessen-Kassel, zur Landgrafschaft Hessen-Rotenburg, zum Königreich Westphalen, zum Kurfürstentum Hessen, zum Königreich Preußen, zum Deutschen Reich und schließlich zum Land Hessen. Das Dorf blieb, wo es war – die Grenzen um es herum verschoben sich.

1619

Die Kirche wird umgebaut

1619 wird an der Weiteröder Kirche kräftig gebaut. Der Altar wandert nach Westen ins Kirchenschiff, und in den Turm wird ein Portal gebrochen, das fortan als Haupteingang dient.

Die Gemeinde hatte kein glückliches Timing. Ein Jahr zuvor hatte in Prag der Dreißigjährige Krieg begonnen, der auch Weiterode erreichen sollte.

1627

Teil der Rotenburger Quart

1627 entsteht mit der sogenannten Rotenburger Quart ein eigenes kleines Fürstentum: Ein Viertel des hessen-kasselischen Landes wird für eine Nebenlinie des Landgrafenhauses abgetrennt. Weiterode liegt mittendrin.

Die Quart war teilsouverän – eigenständig genug für eine eigene Verwaltung, aber weiterhin der Oberhoheit Hessen-Kassels unterstellt. Diese Konstruktion hielt über zwei Jahrhunderte, bis sie 1834 endete.

1648

Plünderung im Dreißigjährigen Krieg

Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) ging an Weiterode nicht vorbei. Durchziehende Truppen plünderten das Dorf und die Kirche; der Innenraum wurde verwüstet.

Für ein Dorf dieser Größe war das eine existenzielle Erfahrung. Es dauerte Generationen, bis die Kirche wieder in einen Zustand kam, der ihrer früheren Ausstattung entsprach – der gründliche Wiederaufbau begann erst rund siebzig Jahre nach Kriegsende.

1719

Die Kirche wird erneuert

Ab 1719 nimmt sich die Gemeinde die Kirche gründlich vor. Was der Dreißigjährige Krieg hinterlassen hatte, wird beseitigt; der Innenraum entsteht neu.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Doppelstöckige Emporen, eine bäuerlich-barocke Deckenmalerei, ein heller Raum unter dem alten Chorturm – seither zählt die Weiteröder Kirche zu den schönsten Landkirchen Hessens.

Bemerkenswert ist, dass ein Dorf dieser Größe eine solche Ausstattung überhaupt aufbrachte. Sie ist ein Hinweis darauf, dass es Weiterode im 18. Jahrhundert wirtschaftlich nicht schlecht ging.

1739

Die Orgel von 1739

Zwanzig Jahre nach dem Beginn der großen Erneuerung bekommt die Kirche 1739 ihre Orgel.

Sie steht bis heute – ein Instrument, das seit fast drei Jahrhunderten im selben Raum spielt und damit älter ist als fast alles andere im Dorf.

1800

Vom Bauerndorf zum Leinenweberdorf

Über Jahrhunderte lebte Weiterode von der Landwirtschaft. Im 18. und 19. Jahrhundert kommt ein zweites Standbein hinzu: die Leinenweberei.

Aus dem Bauerndorf wird ein Leinenweberdorf. Gewebt wurde im Winter, wenn die Feldarbeit ruhte – Heimarbeit, die den Haushalten ein zusätzliches Einkommen brachte und sie zugleich abhängig machte von Zwischenhändlern und Marktpreisen.

Es ist die letzte Phase, in der Weiterode wirtschaftlich weitgehend aus sich selbst heraus lebt. Was danach kommt, wird von außen bestimmt: von der Eisenbahn.

1834

761 Einwohner

1834 werden für Weiterode 761 Einwohner gezählt. Es ist der Anfang einer Reihe, die sich bis heute fortsetzt und die Entwicklung des Ortes nüchterner beschreibt als jede Erzählung.

Bis 1885 wächst das Dorf auf 935 Menschen, bis 1910 auf 1.358. Die Eisenbahn zieht Arbeitskräfte an. 1946 erreicht Weiterode mit 2.555 Einwohnern einen Höchststand, 1950 sind es 2.711 – dann setzt ein langsamer Rückgang ein. 2011 zählt der Zensus 1.932 Einwohner, 2018 wieder 2.203.

1848

Die Eisenbahn kommt

Am 29. August 1848 geht der erste Abschnitt der Strecke von Bebra Richtung Guxhagen in Betrieb. Bebra hat Anschluss ans deutsche Eisenbahnnetz – und wird binnen weniger Jahrzehnte zu einem der wichtigsten Knotenpunkte der Republik.

1866 folgt die Strecke Richtung Bad Hersfeld, 1875 die Richtung Göttingen. Der Bahnhof wächst, bis 1906 kommt ein Rangierbahnhof hinzu.

Für Weiterode bedeutet das Arbeit. Aus dem Leinenweberdorf wird nach und nach ein Eisenbahnerdorf – wer hier wohnt, arbeitet zunehmend nebenan bei der Bahn. Die Einwohnerzahl steigt entsprechend.

1866

Weiterode wird preußisch

Im Deutschen Krieg von 1866 steht Kurhessen auf der Verliererseite. Preußen annektiert das Kurfürstentum; ab 1867 gehört Weiterode zur preußischen Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Rotenburg.

1871 wird daraus, ohne dass sich vor Ort etwas ändert, ein Teil des Deutschen Reiches. Der nächste Wechsel dieser Größenordnung folgt erst 1945.

1914

Das Gleisdreieck schließt sich

Der Eisenbahnknoten Bebra wächst über Jahrzehnte in alle Richtungen. 1914 entsteht die sogenannte Berliner Kurve, eine direkte Verbindung zwischen den Strecken von Frankfurt und von Halle. 1924 kommt im Westen der Vorbahnhof Bebra U hinzu.

Das Ergebnis ist eine Besonderheit, die Weiterode bis heute prägt: Der Ort liegt vollständig innerhalb eines Gleisdreiecks. Wer nach Weiterode will, muss über eine Brücke oder durch einen Tunnel.

Kurios ist dabei, dass das rundum von Schienen umschlossene Dorf nie einen eigenen Bahnhof bekam. Der nächste Halt ist bis heute Bebra.

1920

Die Vereine entstehen

Das wachsende Dorf organisiert sich. In den Jahrzehnten um die Jahrhundertwende entstehen die Vereine, die das Weiteröder Gemeinschaftsleben bis heute prägen.

  • 1912: Radsportverein „Frisch auf“
  • 1920: ESV Weiterode
  • 1925: Mandolinenverein „Wanderlust“

Im Lauf der Zeit kommen weit über zwanzig Vereine und Verbände zusammen: Sportvereine, Chöre, Musikgruppen, Feuerwehr und Rotes Kreuz, ein Schützenverein, ein Jugendclub und die Mundartgruppe, die ihre Auftritte bis heute in Weiteröder Platt bestreitet.

1933

Eine neue Volksschule

Die Einwohnerzahl war seit der Ankunft der Eisenbahn stetig gestiegen, und mit ihr die Zahl der Schulkinder. Die alten Gebäude platzten aus allen Nähten.

1933 wird deshalb eine moderne achtklassige Volksschule eingeweiht. Später wird daraus die Mittelpunktschule für die Umgebung, heute ist es die vierzügige Grundschule „Ulfetalschule“.

1944

Luftangriff auf den Rangierbahnhof

Was den Raum Bebra wirtschaftlich stark gemacht hatte, machte ihn im Krieg zum Ziel. Am 4. Dezember 1944 galt ein Luftangriff dem Rangierbahnhof.

Der Bahnhof selbst wurde kaum getroffen. Die Bomben fielen stattdessen auf die Stadt; 64 Menschen kamen ums Leben.

1946

Das Dorf wächst durch Flüchtlinge und Vertriebene

1939 lebten in Weiterode 1.968 Menschen. 1946 sind es 2.555, 1950 dann 2.711 – der höchste je gezählte Stand.

Hinter diesen Zahlen stehen Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, die in Hessen untergebracht wurden. Innerhalb weniger Jahre wuchs die Einwohnerschaft um fast vierzig Prozent. Wohnraum, Schule und Versorgung mussten mit einer Bevölkerung zurechtkommen, für die sie nicht gebaut waren.

In den folgenden Jahren ging die Zahl wieder zurück: 1956 auf 2.373, 1961 auf 2.308.

1969

Gründung des Heimatvereins

1969 gründet sich der Heimatverein Weiterode. Sein Wirken ist im Ort und in der Gemarkung bis heute sichtbar – meist ohne dass ein Schild darauf hinweist.

Auf sein Konto gehen die Freizeitanlage Burgrain mit Grillhütte und Schutzhütte, der Burgkräutergarten, drei Brunnen, die Aussichtspunkte Stirnpilz und Meißnerblick, das Tretbecken im Heiertal sowie über vierzig Rastbänke in der Weiteröder Gemarkung.

1971

Eingliederung nach Bebra

Die hessische Gebietsreform der 1970er-Jahre ordnete die Landkarte neu. Zum 31. Dezember 1971 wird die bis dahin selbstständige Gemeinde Weiterode in die Stadt Bebra eingegliedert – auf freiwilliger Basis, gemeinsam mit weiteren Gemeinden.

Weiterode ist damit der größte von insgesamt elf Stadtteilen Bebras. Ab 1972 gehört der Ort zum neu gebildeten Landkreis Hersfeld-Rotenburg.

Ein Rest Eigenständigkeit blieb: Für Weiterode wurde ein Ortsbezirk mit eigenem Ortsbeirat und Ortsvorsteher gebildet. Der Ortsbeirat hat neun Mitglieder und wird bei den Kommunalwahlen mitgewählt.

1989

Mauerfall – und das Ende des Grenzbahnhofs

Nach 1945 lag Bebra plötzlich an einer Staatsgrenze. Der Bahnhof wurde Grenzbahnhof für Interzonen-, Transit- und Militärzüge nach West-Berlin; hier übergab die Bundesbahn die Züge an die Reichsbahn. Was für Deutschland eine Wunde war, war für die Region eine Existenzgrundlage.

Mit dem Fall der Mauer am 9. November 1989 entfiel diese Funktion. Schon zuvor hatte der Bahnhof an Bedeutung verloren; 1991 nahm die Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg den Fernverkehr auf, 2009 wurde der Rangierbahnhof als Zugbildungsbahnhof aufgegeben.

Für Weiterode endete damit die lange Aufwärtsentwicklung, die mit der Eisenbahn begonnen hatte.

2005

„Himmlische Musik“ wird restauriert

In den Jahren 2003 und 2005 wird die Ausstattung der Weiteröder Kirche aufwendig restauriert: die barocke Deckenmalerei, die unter dem Namen „Himmlische Musik“ bekannt geworden ist, und die ausgemalten doppelstöckigen Emporen.

Damit ist wieder zu sehen, was die Gemeinde nach dem Dreißigjährigen Krieg geschaffen hatte – knapp dreihundert Jahre später.

2007

950 Jahre Weiterode

950 Jahre nach dem Tauschgeschäft zwischen Mainz und Hersfeld feiert Weiterode im August 2007 mit einer Festwoche.

Gefeiert wurde damit streng genommen nicht die Gründung des Ortes – die liegt im Dunkeln –, sondern der Tag, an dem er zum ersten Mal aufgeschrieben wurde. Für ein Dorf, dessen Geschichte sonst kaum schriftlich überliefert ist, ist das Anlass genug.

2011

Weiterode im Zensus 2011

Am 9. Mai 2011, dem Stichtag des Zensus, lebten in Weiterode 1.932 Menschen, darunter 51 Ausländerinnen und Ausländer.

294 Einwohner waren jünger als 18 Jahre, 635 zwischen 18 und 49, 441 zwischen 50 und 64, und 462 waren älter. Sie verteilten sich auf 786 Haushalte: 195 Singlehaushalte, 246 Paare ohne Kinder, 261 Paare mit Kindern, 66 Alleinerziehende und 18 Wohngemeinschaften. In 207 Haushalten lebten ausschließlich Seniorinnen und Senioren.

2018 wurden wieder 2.203 Einwohner gezählt.